Schutzgemeinschaft Laurenziberg eV.

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Am Welzbach 4, 55435 Gau-Algesheim 16 Tel. 06725/963837 - Fax 06725/963399

 

Planungen zum Kiesabbau im Bereich Jakobsberg/Laurenziberg

In den Planungen zur neuesten Fortschreibung des "Regionalen Raumordnungsplanes Rheinhessen-Nahe (RROP) ist auf dem Plateau des Lebensraumes Jakobsberg-Laurenziberg vorgesehen, die gesamte Fläche der "Morgengewann" im Rahmen der Rohstoffsicherung als Vorrangfläche für den Kiesabbau auszuweisen. Die "Morgengewann erstreckt sich über die ganze Fläche vom Rand der alten Kiesgruben - dies ist der befestigte Feldweg vom Gau-Algesheimer Ortsteil Laurenziberg nach Dromersheim - nach Norden hin bis zum Verbindungsweg an der nördlichen Hangkante vom Kloster Jakobsberg zum Friedenskreuz an der Nordwestecke des Plateaus.

Dieses besonders reizvolle Gebiet unterliegt vollständig dem Landschaftsschutz und gehört zu den von der Bevölkerung der umliegenden Ortschaften und dem Kloster Jakobsberg vielgenutzten Bereichen zur stillen Naherhohlung. Eine Auskiesung mit all ihren Beeinträchtigungen zerstört das Landschaftsbild, bringt neben dem Abbaulärm eine enorme Unruhe durch die Abfuhr mit Großlastwagen und bei den gegebenen, warm-trockenen, recht windigen Wetterverhältnissen sehr viel Staub. Einschlägige Untersuchungen zeigen, daß besonders der durch die Nase nicht filterbare Schwebestaubanteil zu starkem Husten, Rötungen der Augen und Infektionen der Atemwege führt.

Neben dieser bedeutenden Minderung der Lebensqualität für den Menschen würde auch eine unwiederbringliche Schädigung der Tier- und Pflanzenwelt erfolgen. Eine durch den Kiesabbau bedingte Veränderung des Wasserhaushaltes im Boden brächte auch eine katastrophale Veränderung im besonderen Artenspektrum der Tier- und Pflanzengesellschaften mit sich., dies vor allem im unmittelbar randlich gelegenen Naturschutzgebiet "Jakobsberg, dem größten Kalk-Halbtrockenrasengebiet im nördlichen Rheinhessen. Die durch die speziellen geologischen Verhältnisse bedingten Hangquellen und Vernässungsbereiche brgünden eine einmalige Artenzusammensetzung, die besonders durch die hier typischen Wechselfeuchtezeiger gekennzeichnet ist.. Eine Zerstörung dieser wertvollen Flora und Fauna sowie der gewachsenen Böden ist in keinem Fall zu verantworten. Für das Naturschutzgebiet ist die "Morgengewann" eine wichtige Pufferzone.

Im laufenden Verfahren ist zudem sehr verwunderlich, daß ein für die "landschaftsgebundene Freizeit und Erholung" signiertes Gebiet direkt als "Vorrangfläche" - dabei nicht einmal zuerst als "Vorbehaltsfläche" - für den Rohstoffabbau ausgewiesen werden soll, was damit ja auch ein Widerspruch in sich wäre. Außerdem sind in den Plänen unverständlicherweise die bisherigen Vorrangflächen fälschlich als bereits genehmigte Abbauflächen eingezeichnet.

Da nunmehr auch alle betroffenen Gemeinden eine Ausweitung des Kiesabbaus strikt abgelehnt haben, ermahnt die Schutzgemeinschaft Laurenziberg eV. alle Verantwortlichen eindringlich, den Zugriff auch noch auf die restliche Hälfte des Plateaus im Naturraum Jakobsberg-Laurenziberg zu unterbinden und der immer weiter fortschreitenden Natur- und Landschaftszerstörung Einhalt zu gebieten.

 

Die Pflanzenwelt des Laurenziberges ....

... ist, neben den geologischen und edaphischen Faktoren, geprägt von dem für Rheinhessen typischen, besonders trockenwarmen Klima, gekennzeichnet durch Niederschlagsarmut und lange Sonnenscheindauer, wobei kräftige Winde aus westlicher Richtung dem Sommerregen entgegenwirken. Es ermöglicht das Vorkommen einer großen Zahl seltener Pflanzenarten, für welche die besonderen Naturräume des nördlichen Rheinhessens weithin berühmt sind.

Auf der Hochfläche des Laurenziberges begegnet man einer charakteristischen rheinhessischen Kulturlandschaft, bunt und vielfältig durch das Nebeneinander von Feldern, Obstbaumfluren und randlichen Weinbergen. Besonderheiten der heimischen Ackerwildkrautgesellschaften sind vor allem der Frauen- oder Venusspiegel, Acker-Rittersporn, Acker-Leimkraut, Sandmohn, Acker-Steinsame, die Echte Kamille und die Kornblume. Stark gefährdet sind Gelber Günsel, Blauer Gauchheil und die heute sehr seltene Kornrade. An Wegrainen, Böschungen und in den Heckensäumen wachsen die Golddistel, Färber-Hundskamille, Dürrwurz, Sichelblättriges Hasenohr, Großer Ehrenpreis und Acker-Wachtelweizen, daneben Feld-Mannstreu, Sichelmöhre und die Rheinische Flockenblume.

Naturnahe Lebensräume finden sich noch in den beiden östlich anschließenden Nebentälern des Welzbaches, dem Eckelsbach- und dem Dünbachtal. Neben den zahlreichen Weinbergen, in welchen im Früjahr der Acker-Gelbstern, Doldiger Milchstern und die Weinbergs-Träubelhyazinthe zu bewundern sind, kann man in den Hängen auch Seltenheiten wie den Deutschen Alant, Purpur-Sommerwurz, Runder Lauch, Dornige Hauhechel und die Wollköpfige Distel entdecken, vereinzelt auch Wiesen-Salbei und die Bienen-Ragwurz. An den sonnigen Mauern zeigen sich die Sprossende Felsennelke, Silber-Fingerkraut und Wilder Majoran, Bärenschote und die Bibernell-Rose. Auf halber Höhe der Hänge fallen die charakteristischen Quellbereiche auf, welche zahlreiche feuchteliebende Pflanzen beherbergen, so den Bittersüßen Nachtschatten, Gänse-Fingerkraut, Wilde Karde, Zottiges Weidenröschen und den Arznei-Baldrian, sowie auch Blaugrüne Binse und den Sumpf-Schachtelhalm. In den Wiesen des Talgrundes erscheinen Herbstzeitlose, Wiesen-Storchschnabel und Gold-Kälberkropf, am Bachrand unter anderen auch Sumpf-Kratzdistel, Wasserdost und Blutweiderich.

Wertvollstes Kleinod des Naturraumes ist das nördlich gelegene Naturschutzgebiet am Jakobsberg bei Ockenheim. Es beherbergt im besonderen die vielfältigen Arten der einzigartigen nordrheinhessischen Kalk-Halbtrockenrasen. Um nur einige wenige aufzuzählen, seien Küchenschelle, Fransenenzian und Kalk-Aster, Hirschwurz, Augentrost, Arznei-Thymian sowie die zahlreichen Orchideen wie Helm-Knabenkraut, Mücken-Händelwurz und Hummel-Ragwurz genannt. Die größte Besonderheit aber ist das weiße Apenninen-Sonnenröschen unterhalb des Friedenskreuzes. Einmalig prägend sind hier vor allem die Wechselfeuchtezeiger der Quellhorizonte, so das Echte Tausendgüldenkraut, die Spargelbohne, Roter Zahntrost, Knollige Kratzdistel und der Weidenblättrige Alant. Wagt man sich in die buschigen Hänge, so findet man in den feuchten Bereichen auch Christophskraut, Färber-Scharte und die Türkenbund-Lilie, Großes Flohkraut, Roß-Minze und eine bleiche Orchidee, die Vogel-Nestwurz.

 

 

Die Geologie des Laurenziberges

Der Laurenziberg ist gelegen auf dem Nordwestplateau des Rheunhessischen Tafel- und Hügellandes, großräumig dem Mainzer Becken als nördlichem Ende des Oberrheingrabens zugehörig. Seine geologische Struktur ist gekennzeichnet durch die verschiedenartigen Kalk- und Mergelablagerungen der Tertiärmeere vor etwa 30 Millionen Jahren. Hierüber haben sich zunächst fossilienreiche Flußkiese und Sande des Urrheins und stellenweise auch der Urnahe abgelagert, später auch mehr oder weniger stark der Löß, ein äolisches Sediment aus den umgebenden Mittelgebirgen. Felsiger Tertiärkalk zeigt sich insbesondere an der Oberkante des Nordhanges am Jakobsberg.

Die Niederschläge der Flächen durchsickern die oberen fluviatilen und kalkigen Sedimente und sammeln sich über den tiefer gelegenen tonigen Mergeln. Durch flache Rinnen in dieser undurchlässigen Schicht geführt gelangt das Wasser in die mittleren Bereiche der randlichen Abhänge, wo sich nun die charakteritischen Quellhorizonte ausbilden. Nur die größte der in den Hängen des Plateuas und der Seitenbäche auftretenden Quellen führt noch ganzjährig Wasser, sie liegt im Naturschutzgebiet `Jakobsberg´ oberhalb Ockenheim. Hier ist auch eine der typischen Hangrutschungen zu beobachten, wie sie vielerorts in Rheinhessen auftreten. Sie sind Folge der Übersättigung des bei starkem Wassereintrag über den Mergeln ausgequollenen Erdreichs.

Diese besonderen geologischen Strukturen mit ihrem spezifischen Wasserhaushalt und die speziellen Böden begründen mit der auch heirnach angepaßten Tier- und Pflanzenwelt die Einzigartigkeit des Naturraumes.

 

 

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